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Was ist der Unterschied zwischen Dividenden- und Wachstumsstrategie?

Eine Dividendenstrategie setzt auf Unternehmen, die einen großen Teil ihrer Gewinne als Dividende ausschütten — typischerweise reife Geschäfte mit stabilen Cashflows wie Versorger, Versicherer, Basiskonsumgüter und Telekommunikation. Eine Wachstumsstrategie setzt auf Unternehmen, die ihre Gewinne überwiegend oder vollständig ins eigene Wachstum stecken — oft in Technologie, Gesundheit oder Konsum — und wenig oder nichts ausschütten.

Beide zielen auf eine gute Gesamtrendite. Sie unterscheiden sich darin, wie diese Rendite ankommt: als laufender Ertrag oder als steigender Kurs.

Woher die Rendite kommt

Die Gesamtrendite einer Aktie ist die Summe aus Dividendenrendite und Kursrendite:

Rgesamt=Dividendenrendite+KursrenditeR_{\text{gesamt}} = \text{Dividendenrendite} + \text{Kursrendite}

Langfristig folgt die Kursrendite dem Wachstum des Gewinns je Aktie. Ausgeschüttete Gewinne können nicht zugleich im Unternehmen investiert werden, eine höhere Ausschüttung bedeutet also — bei sonst gleichen Bedingungen — langsameres Wachstum. Eine klassische Näherung verbindet beides über die Eigenkapitalrendite:

gEigenkapitalrendite×(1Ausschu¨ttungsquote)g \approx \text{Eigenkapitalrendite} \times (1 - \text{Ausschüttungsquote})

Ein einfaches Beispiel

Zwei Unternehmen erzielen je 15% Eigenkapitalrendite und werden mit demselben Vielfachen ihres Gewinns bewertet:

DividendenunternehmenWachstumsunternehmen
Ausschüttungsquote70%10%
Dividendenrendite4,5%0,6%
Erwartetes Gewinnwachstum15% × 30% = 4,5%15% × 90% = 13,5%
Erwartete Gesamtrenditerund 9%rund 14%

Bei gleicher Bewertung wäre das Wachstumsunternehmen klar die bessere Anlage — genau deshalb bewerten Märkte Wachstumsunternehmen meist mit deutlich höheren Gewinnvielfachen. Der höhere Preis senkt die erwartete Rendite, bis beide ungefähr vergleichbar sind, und das Ergebnis des Wachstumsunternehmens hängt dann daran, dass das Wachstum tatsächlich eintritt.

Die Abwägungen

  • Ertrag gegen Flexibilität. Dividenden liefern Geld, ohne Anteile zu verkaufen. Bei Wachstumsaktien müssen für Geld Anteile verkauft werden, was mehr Kontrolle über den Zeitpunkt gibt.
  • Stabilität gegen Potenzial. Dividendenunternehmen sind meist ruhiger; Wachstumsunternehmen steigen in starken Märkten stärker und fallen härter, wenn das Wachstum enttäuscht oder die Zinsen steigen.
  • Steuern. In vielen Ländern werden Dividenden jährlich bei Zahlung besteuert, Kursgewinne dagegen erst bei Realisierung.

Wie man darüber nachdenkt

Eine Dividende ist kein Geldgeschenk: Der Kurs fällt um den ausgezahlten Betrag. Entscheidend ist die Gesamtrendite, und ein Depot, das nur auf hohe Renditen oder nur auf schnelles Wachstum setzt, konzentriert sich auf bestimmte Sektoren und Risiken. Breite Indexfonds halten beide Arten von Unternehmen mit ihrem Marktgewicht; eine Neigung zu einer Seite ist eine Entscheidung über die Form der Rendite und die Art des Risikos, kein automatischer Mehrertrag.

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