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Was ist die Aktienrisikoprämie?

Die Aktienrisikoprämie ist die zusätzliche Rendite, die Anleger dafür erhalten — oder erwarten —, Aktien statt einer risikofreien Anlage wie kurzlaufender Staatsanleihen zu halten. Sie ist die Entschädigung dafür, das Risiko zu tragen, dass Aktien stark fallen und jahrelang unten bleiben können. Ohne sie gäbe es keinen Grund, überhaupt Aktien zu halten.

Die Formel

Die realisierte Aktienrisikoprämie über einen Zeitraum ist schlicht:

ERP=RAktienRf\text{ERP} = R_{\text{Aktien}} - R_f

wobei RAktienR_{\text{Aktien}} die Rendite des Aktienmarkts und RfR_f der risikofreie Zins im selben Zeitraum ist.

Vorausschauend lässt sie sich aus heutigen Bewertungen schätzen. Ein gängiger Ansatz nutzt die Gewinnrendite — Gewinn geteilt durch Kurs, der Kehrwert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses — als groben Schätzer der erwarteten realen Aktienrendite und zieht die reale Rendite sicherer Staatsanleihen ab:

ERPerwartetEPrreal, Anleihen\text{ERP}_{\text{erwartet}} \approx \frac{E}{P} - r_{\text{real, Anleihen}}

Ein einfaches Beispiel

Ein Aktienmarkt notiert beim 20-Fachen der Gewinne — eine Gewinnrendite von 5% —, während inflationsindexierte Staatsanleihen real 1,5% bringen:

ERPerwartet5%1,5%=3,5%\text{ERP}_{\text{erwartet}} \approx 5\% - 1{,}5\% = 3{,}5\%

Von Aktien wären real rund 3,5 Punkte pro Jahr mehr zu erwarten als von sicheren Anleihen. Steigen die Kurse, bis der Markt beim 25-Fachen notiert, fällt die Gewinnrendite auf 4% und die erwartete Prämie auf 2,5%: Höhere Preise heute bedeuten niedrigere erwartete Renditen später.

Was die Geschichte zeigt

Langfristige Untersuchungen globaler Märkte über mehr als ein Jahrhundert, etwa von Dimson, Marsh und Staunton, fanden eine durchschnittliche Prämie globaler Aktien gegenüber kurzlaufenden Staatspapieren von rund 4 bis 5% pro Jahr. Sie schwankte enorm nach Zeitraum und Land, und es gab ganze Jahrzehnte, in denen Aktien weniger brachten als sichere Anlagen.

Warum sie zählt

  • Sie ist die Grundlage langfristiger Planung. Annahmen über Aktienrenditen sind faktisch Annahmen über den risikofreien Zins plus die Aktienrisikoprämie.
  • Sie erklärt den Zielkonflikt. Ein Depot mit mehr Aktien hat genau deshalb eine höhere erwartete Rendite, weil es mehr Risiko trägt; die Prämie ist der Preis dieses Risikos.
  • Sie hängt vom Ausgangspunkt ab. Erwartete Prämien sind niedriger, wenn Aktien teuer sind, und höher nach großen Rückgängen.

Grenzen

  • Sie ist im Voraus nicht beobachtbar. Jede vorausschauende Schätzung beruht auf einem Modell und seinen Annahmen.
  • Über keinen Zeitraum ist sie garantiert. Die Prämie ist ein Durchschnitt; über zehn oder sogar zwanzig Jahre haben Aktien manchmal weniger gebracht als Anleihen.

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