Floreo
Lab

Wie wirken Zinsen auf Aktien- und Anleihekurse?

Zinsen sind der Preis des Geldes und wirken auf fast jede Anlage. Steigen die Zinsen, zahlen neu ausgegebene Anleihen mehr, sodass bestehende Anleihen mit niedrigeren Kupons an Wert verlieren; künftige Unternehmensgewinne werden stärker abgezinst, sodass Aktienbewertungen tendenziell sinken; und Liquidität wird attraktiver. Fallen die Zinsen, kehren sich die Effekte um.

Anleihen: der umgekehrte Zusammenhang

Der Kurs einer Anleihe ist der Barwert ihrer künftigen Zahlungen, abgezinst mit dem Marktzins yy:

P=t=1nC(1+y)t+F(1+y)nP = \sum_{t=1}^{n} \frac{C}{(1 + y)^t} + \frac{F}{(1 + y)^n}

Dabei ist CC der jährliche Kupon und FF der bei Fälligkeit zurückgezahlte Nennwert. Ein höheres yy senkt jeden Term, der Kurs fällt also.

Wie stark er fällt, beschreibt die××Duration××D\text{die} \times \times \text{Duration} \times \times D der Anleihe — grob ihre durchschnittliche Kapitalbindungsdauer in Jahren:

ΔPPD×Δy\frac{\Delta P}{P} \approx -D \times \Delta y

Ein einfaches Beispiel

Ein Anleihefonds hat eine Duration von 7 Jahren, und die Marktzinsen steigen um 2 Prozentpunkte:

ΔPP7×2%=14%\frac{\Delta P}{P} \approx -7 \times 2\% = -14\%

Ungefähr das geschah 2022 mit vielen länger laufenden Staatsanleihefonds, als die Zinsen nach Jahren nahe null kräftig stiegen. Ein kurzlaufender Anleihefonds mit einer Duration von 2 Jahren hätte nur rund 4% verloren. Sind die Zinsen erst höher, zahlen die Anleihen allerdings mehr Zinsen, was den Kursverlust nach und nach ausgleicht.

Aktien: der Abzinsungssatz

Der Wert einer Aktie lässt sich als Barwert künftiger Zahlungsströme verstehen. Im einfachsten Modell, mit der nächsten Dividende D1D_1, der geforderten Rendite rr und der Wachstumsrate gg:

P=D1rgP = \frac{D_1}{r - g}

Höhere Zinsen erhöhen die geforderte Rendite rr und senken damit den Wert — am stärksten bei Unternehmen, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen.

  • Wachstumsaktien, deren Gewinne überwiegend in späteren Jahren erwartet werden, reagieren am empfindlichsten. 2022 fielen viele Technologieaktien weit stärker als der Markt.
  • Banken und Versicherer können von höheren Zinsen profitieren, die ihre Zins- und Anlageerträge steigern.
  • Immobilien und Versorger, oft fremdfinanziert und wegen ihrer stetigen Erträge geschätzt, leiden tendenziell.

Was das für ein Depot bedeutet

  • Anleihen streuen Aktien nur dann, wenn nicht Zinsbewegungen beides treiben. Treibt Inflation die Zinsen, können beide gemeinsam fallen.
  • Die Duration ist eine Entscheidung. Kürzere Anleihen senken die Zinsempfindlichkeit, zu dem Preis, bei fallenden Zinsen weniger zu gewinnen.
  • Liquidität verdient mehr, wenn die Zinsen hoch sind, was die Messlatte für jede andere Anlage hebt.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Durchgerechnet an einem Beispielportfolio. Die Zahlen unten gehören diesem Portfolio, nicht Ihrem.

Wie wirken sich Zinsen auf mein Portfolio aus?

Zinsen wirken auf unterschiedliche Teile Ihres Depots verschieden. Unten fasse ich die wichtigsten Wirkungswege zusammen und nenne, welche Bereiche in Ihrem Portfolio besonders betroffen sind.

  • Fixe Effekte auf Cash und Anleihen

    • Zinssteigerung erhöht die Rendite von Barbeständen und neuem festverzinslichen Papier; Ihr Barbestand ist 5.510,23 € und macht 6,06% des Portfolios aus.
  • Marktpreis-Effekte auf Aktien und ETFs

    • Höhere Zinsen drücken in der Regel den Wert von Aktien, weil künftige Gewinne abgezinst werden; große Tech-Positionen reagieren oft stark. In Ihrem Portfolio sind Technologiebestände dominant: 36.376,92 € (39,98%).
    • ETF‑Positionen im World- und USA‑Markt sind wichtig: 28.397,93 € (31,21%).
  • Auswirkungen auf Risiko und Volatilität

    • Steigende Zinsen können die Volatilität erhöhen. Ihre Holdings-Volatilität über das letzte Jahr liegt bei 8,85% (annualisiert) und einzelne Positionen tragen unterschiedlich zur Volatilität bei — z. B. tragen Apple Inc. und Microsoft Corp. zusammen den größten Anteil an der Portfoliovolatilität.
  • Realwirtschaftliche / Sektorale Effekte

    • Banken und Finanzwerte profitieren oft von höheren Zinsen; Defensive Sektoren weniger. Ihre Gewichtung in Financial Services beträgt 14.228,68 € (15,64%).
  • Wirkungen auf Rendite der Kryptowährungen und Rohstoffe

    • Kryptowährungen reagieren oft unabhängig und bleiben volatil; Crypto macht 7.826,35 € (8,60%) Ihres Depots aus. Gold kann als Inflations- oder Unsicherheitsabsicherung anders reagieren; Precious metal ist 4.575,79 € (5,03%).

Kurz zusammengefasst: Zinsänderungen wirken direkt auf Ihre Cash‑Erträge, indirekt über Diskontierung auf Aktien‑ und ETF‑Bewertungen, und sie beeinflussen die Volatilität. Ihre größten Exponierungen, die besonders betroffen sind, sind Technologieaktien und ETFs (siehe oben).

Verwandte Themen

Diese Zahlen für Ihr eigenes Portfolio

Floreo berechnet jede Kennzahl dieser Seite aus Ihren eigenen Positionen – Rendite, Risiko, Aufteilung, Währungen – und der Assistent erklärt sie so, wie es diese Seite tut. Aus Ihrem Depot importieren oder es zuerst am Beispielportfolio ausprobieren.

Demo starten

Die Demo öffnet sofort ein Beispielportfolio – ganz ohne Konto.