Was sind defensive Aktien?
Defensive Aktien sind Anteile an Unternehmen, deren Produkte in guten wie in schlechten Zeiten gebraucht werden, sodass ihre Umsätze und Gewinne relativ wenig mit dem Konjunkturzyklus schwanken. Klassische Beispiele sind Hersteller von Lebensmitteln und Haushaltswaren, Pharma- und Medizintechnikunternehmen sowie Versorger für Strom und Wasser. Wenn die Wirtschaft schwächelt, kaufen Menschen weiterhin Zahnpasta und Medikamente und heizen weiterhin ihre Wohnungen.
Weil ihre Gewinne stetiger sind, sind defensive Aktien in Abschwüngen historisch weniger gefallen — und in starken Märkten weniger gestiegen.
Wie sich das in Zahlen zeigt
Die Empfindlichkeit einer Aktie gegenüber dem Markt misst ihr Beta:
Defensive Aktien haben typischerweise ein Beta deutlich unter 1, oft zwischen 0,5 und 0,8. Bei einer Marktbewegung von ist bei ihnen ungefähr zu erwarten:
Ein einfaches Beispiel
Ein defensives Depot mit einem Beta von 0,6 und ein zyklisches mit einem Beta von 1,3 dürften sich ungefähr so bewegen:
| Depot | Beta | Markt fällt 25% | Markt steigt 25% |
|---|---|---|---|
| Defensiv | 0,6 | rund −15% | rund +15% |
| Zyklisch | 1,3 | rund −33% | rund +33% |
Das defensive Depot verliert im Rückgang weniger als halb so viel — und gewinnt im Anstieg weniger als halb so viel.
Worauf sie verzichten
- Auf Aufwärtspotenzial in starken Märkten. In langen Bullenmärkten, angeführt von schnell wachsenden Sektoren, bleiben defensive Aktien zurück.
- Zinsempfindlichkeit. Versorger und Basiskonsumgüter werden oft wegen ihrer stetigen Dividenden geschätzt, die mit Anleiherenditen konkurrieren; steigen die Zinsen kräftig, können sie fallen.
- Bewertungsrisiko. In unsicheren Zeiten drängen Anleger in defensive Aktien, was sie teuer — und weniger defensiv — machen kann.
Defensiv heißt nicht sicher
- Sie fallen in einem allgemeinen Ausverkauf ebenfalls, meist weniger als der Markt, aber sie fallen.
- Unternehmensrisiken bleiben. Ein gescheitertes Medikament, eine Reguländerung oder ein Produktrückruf können ein defensives Unternehmen hart treffen.
- Die Kategorien verschieben sich. Teile von Gesundheit und Basiskonsum sind zyklischer geworden, während sich einige große Technologieunternehmen stetiger verhalten als früher.
Ein Anteil defensiver Aktien senkt das Beta eines Depots und seine Rückgänge. Über einen gewissen Punkt hinaus senkt er vor allem die Rendite — weshalb die Balance zwischen zyklisch und defensiv eine Frage der Risikotoleranz ist.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Durchgerechnet an einem Beispielportfolio. Die Zahlen unten gehören diesem Portfolio, nicht Ihrem.
Welche Positionen verhalten sich in Abschwüngen am defensivsten?
Die folgenden Positionen tragen am wenigsten zur Portfolio-Volatilität und verhalten sich in Abschwüngen am defensivsten. Ich liste die wichtigsten Beiträge zur Volatilität (höchster Defensiveffekt zuletzt zuerst):
| Asset | Vol. contrib. (%) |
|---|---|
| MasterCard Inc. | 5,4 |
| SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted UCITS ETF | 3,96 |
| Gold | 3,19 |
| Xtrackers MSCI USA UCITS ETF 1C | 2,48 |
| iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF USD (Acc) | 2,27 |
Erläuterung: Die Tabelle sortiert nach dem Beitrag jeder Position zur jährlichen Portfolio-Volatilität (niedrigere Beiträge deuten auf defensiveres Verhalten in Abschwüngen hin). Gold steht wegen seiner relativ geringen Korrelation und moderater Volatilität typischerweise defensiv da; etablierte Zahlungsdienstleister und breit gestreute ETFs zeigen ebenfalls geringere Volatilitätsbeiträge.
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