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Was ist der Dispositionseffekt?

Der Dispositionseffekt ist die Neigung von Anlegern, gestiegene Anlagen zu früh zu verkaufen und gefallene zu lange zu halten. Benannt wurde er 1985 von den Ökonomen Hersh Shefrin und Meir Statman, und er ist seither bei privaten wie professionellen Anlegern in vielen Ländern nachgewiesen worden.

Er wirkt gegen gute Ergebnisse: Gewinner zu verkaufen schreibt kleine Gewinne fest, während das Halten von Verlierern das Depot mit den schwächsten Anlagen füllt.

Woher er kommt

  • Reue vermeiden: Ein Verkauf mit Verlust macht den Verlust endgültig und gesteht einen Fehler ein; Halten hält die Hoffnung auf Erholung am Leben.
  • Verlustaversion: Nach der Prospect Theory wiegt ein Verlust etwa doppelt so schwer wie ein gleich großer Gewinn.
  • Ankern am Kaufkurs: Der gezahlte Preis fühlt sich wie der "richtige" Wert an, zu dem man zurückkehren müsse — obwohl der Markt kein Gedächtnis dafür hat.

Wie er gemessen wird

Forscher vergleichen, wie bereitwillig Anleger Gewinner und Verlierer verkaufen. An jedem Tag, an dem verkauft wird, zählt jede Position als realisierter Gewinn oder Verlust, wenn sie verkauft wurde, und als Buchgewinn oder Buchverlust, wenn sie gehalten wurde:

PGR=Realisierte GewinneRealisierte Gewinne+BuchgewinnePLR=Realisierte VerlusteRealisierte Verluste+Buchverluste\text{PGR} = \frac{\text{Realisierte Gewinne}}{\text{Realisierte Gewinne} + \text{Buchgewinne}} \qquad \text{PLR} = \frac{\text{Realisierte Verluste}}{\text{Realisierte Verluste} + \text{Buchverluste}}

Liegt der Anteil realisierter Gewinne (PGR) über dem Anteil realisierter Verluste (PLR), zeigt sich ein Dispositionseffekt. In klassischen Studien zu US-Depots realisierten Anleger Gewinne rund anderthalbmal so bereitwillig wie Verluste.

Ein einfaches Beispiel

An den Tagen, an denen ein Anleger im Jahr verkauft hat, wiesen seine Positionen insgesamt 20 Gewinne und 20 Verluste auf. Er verkaufte 8 der Gewinnpositionen und 2 der Verlustpositionen:

PGR=820=40%PLR=220=10%\text{PGR} = \frac{8}{20} = 40\% \qquad \text{PLR} = \frac{2}{20} = 10\%

Der Anleger verkaufte einen Gewinner viermal so wahrscheinlich wie einen Verlierer.

Was er kostet

  • Rendite: Untersuchungen fanden, dass die verkauften Gewinner sich danach besser entwickelten als die behaltenen Verlierer.
  • Steuern: In vielen Steuersystemen lassen sich realisierte Verluste mit Gewinnen verrechnen; Verlierer zu halten und Gewinner zu verkaufen bewirkt das Gegenteil.
  • Schwache Positionen sammeln sich an: Mit der Zeit füllt sich das Depot mit dem, was am schlechtesten gelaufen ist.

Wie man gegensteuert

  • Jede Position beurteilen, als wäre sie ein Neukauf, ohne Blick auf den gezahlten Preis.
  • Vorher festgelegte Regeln befolgen, etwa Rebalancing auf Zielgewichte.
  • Realisierte und unrealisierte Gewinne gemeinsam ansehen, um zu erkennen, ob Verkäufe systematisch Gewinner bevorzugen.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Durchgerechnet an einem Beispielportfolio. Die Zahlen unten gehören diesem Portfolio, nicht Ihrem.

Neige ich dazu, Gewinner zu früh zu verkaufen?

Kurzantwort: Deine Handelshistorie zeigt, dass du Gewinner nicht zu früh verkauft hast.

Tabelle der realisierten Trades (die zwei Abschlüsse, die in deiner Historie als realisiert geführt sind)

AssetDatumVerkaufserlös (€)Anschaffungskosten (€)Realisierter Gewinn (€)
iShares Core MSCI World UCITS ETF2025-03-244.945,50 €3.949,72 €+995.78
iShares Core MSCI World UCITS ETF2024-05-144.565,50 €3.776,35 €+789.15

Was das bedeutet:

  • Beide realisierten Trades sind Gewinner (siehe die beiden Zeilen). Dein Win‑Rate bei realisierten Trades ist 100,00%.
  • Die Tabelle zeigt auch, wie viel Gewinn du beim Verkauf tatsächlich realisiert hast und wie viel Wert diese Positionen heute gehabt hätten (in deiner Historie als "value_if_still_held" gespeichert). Deine Daten melden zusätzlich "gain forgone by selling" für diese Trades: bei den beiden Verkäufen waren das jeweils +1.351,00 € und +1.731,00 € — das sind Beträge, die du potenziell nicht mitgenommen hast, weil die Positionen weiter gestiegen wären.
  • Insgesamt hat dein Portfolio +1.784,93 € realisierte Gewinne ausgewiesen und ein Gesamtgewinn von +23.302,52 €. Das zeigt, dass realisierte Gewinne einen kleinen Teil deines Gesamtgewinns ausmachen.

Kurz zusammengefasst: Deine beiden realisierten Verkäufe waren profitabel (kein frühes Abschneiden mit Verlust). Die Kennzahl "gain forgone by selling" zeigt aber, dass du bei diesen Gewinnern noch zusätzliche, nicht realisierte Aufwärtsbewegung liegen gelassen hast. Das ist in den Daten explizit dokumentiert.

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