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Was bedeutet Nachkaufen bei Verlusten?

Nachkaufen bei Verlusten bedeutet, nach einem Kursrückgang mehr von einer Anlage zu kaufen, was den durchschnittlichen Kaufkurs der gesamten Position senkt. Es wird oft als Weg dargestellt, sich schneller zu erholen: Der Kurs, ab dem die Position wieder im Plus ist, sinkt mit jedem Nachkauf. Zugleich steigt aber das Geld, das in etwas steckt, das gerade gefallen ist — was nur dann eine gute Idee ist, wenn der Grund des Rückgangs vorübergehend ist.

Wirkung auf den Durchschnittskurs

Nach dem Kauf von q1q_1 Stück zum Kurs P1P_1 und weiteren q2q_2 Stück zum niedrigeren Kurs P2P_2 beträgt der durchschnittliche Kaufkurs:

Pˉ=q1P1+q2P2q1+q2\bar{P} = \frac{q_1 P_1 + q_2 P_2}{q_1 + q_2}

Der Break-even-Kurs — bei dem die Position weder Gewinn noch Verlust zeigt — ist dieser Durchschnitt, nicht der ursprüngliche Kaufkurs.

Ein einfaches Beispiel

100 Aktien werden zu 50 € gekauft. Der Kurs fällt auf 30 €, und weitere 100 Aktien werden gekauft:

Pˉ=100×50+100×30200=40\bar{P} = \frac{100 \times 50 + 100 \times 30}{200} = 40

Die Position ist nun bei 40 € statt bei 50 € im Plus: ein Anstieg von 33% ab 30 € statt 67%. Der eingesetzte Betrag ist aber von 5.000 € auf 8.000 € gestiegen, und das Ergebnis hängt ganz davon ab, was der Kurs als Nächstes tut:

Ohne NachkaufMit Nachkauf
Gehaltene Stücke100200
Eingesetzter Betrag5.000 €8.000 €
Break-even-Kurs50 €40 €
Ergebnis bei Kurs 15 €−3.500 €−5.000 €
Ergebnis bei Erholung auf 50 €0 €+2.000 €

Wann es sinnvoll sein kann

  • Bei breiten, gestreuten Anlagen wie einem Welt-Indexfonds, die sich mit dem Gesamtmarkt erholen. Mehr davon in einem Abschwung zu kaufen gehört zum Rebalancing und zum Weiterlaufen eines Sparplans.
  • Bei einem Rückgang des ganzen Marktes statt des Unternehmens, solange die Gründe für die Anlage unverändert sind.
  • Innerhalb einer geplanten Positionsgröße, wenn der Nachkauf die Anlage nicht über ihr vorgesehenes Gewicht hinausschiebt.

Wann es riskant wird

  • Einzelne Unternehmen in echten Schwierigkeiten können weiter fallen oder sich nie erholen; Nachkaufen steckt mehr Geld in eine scheiternde Anlage.
  • Ankereffekt: Der ursprüngliche Kaufkurs ist für die Zukunft der Anlage bedeutungslos. Die Frage ist nur, ob sie zum heutigen Kurs kaufenswert ist.
  • Wachsende Konzentration: Wiederholtes Nachkaufen kann aus einer kleinen Position eine der größten des Depots machen — gerade dort, wo sich das meiste Risiko gezeigt hat.

Ein nützlicher Test: Würde jemand, der die Anlage nie besessen hat, sie zum heutigen Kurs in dieser Größe kaufen?

Ein durchgerechnetes Beispiel

Durchgerechnet an einem Beispielportfolio. Die Zahlen unten gehören diesem Portfolio, nicht Ihrem.

Stocke ich Gewinner auf oder verbillige ich Verlierer?

Hier ist eine Übersicht, ob du Gewinne realisiert (Gewinner verkauft) oder Verluste realisiert (Verlierer verkauft) hast — und wie deine aktuellen Positionen stehen.

KategorieWert
Gesamtwert Portfolio106.217,89 €
Marktwert der Wertpapiere80.897,66 €
Bargeldbestand25.320,23 €
Anzahl Positionen10
Total realisierter Gewinn+1.784,93 €
Realisierte Trades (Anzahl)2
Realisierte Trades: Gewinner2
Realisierte Trades: Verlierer0
Realisierungs-Quote (Gewinner)100,00%

Was die aktuellen, noch gehaltenen Positionen betrifft, zeigen die größten Positionen insgesamt deutliche unveränderte Gewinne (Unrealised gain):

Top-5 gehaltene PositionenWertUnrealized P/L
Apple Inc.16.254,00 €+6,007.14
iShares Core MSCI World UCITS ETF15.111,60 €+5,632.27
Microsoft Corp.10.596,25 €+4,637.87
MasterCard Inc.9.804,00 €+1,501.46
Deutsche Lufthansa AG7.678,00 €+228.00

Kurz gesagt: Deine realisierten Trades sind alle Gewinner (100,00%), du hast also bisher Gewinner verkauft. Gleichzeitig enthalten deine aktuellen Bestände mehrere Positionen mit positiven unverwirklichten Gewinnen (siehe Top-5) — es gibt aber auch eine Position mit negativem unverwirklichten Ergebnis (Ethereum mit -2.071,22 €).

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