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Was ist das FIFO-Verfahren bei Kursgewinnen?

FIFO — first in, first out — ist ein Verfahren, um zu bestimmen, aus welchen Stücken ein Verkauf stammt, wenn eine Position über mehrere Käufe zu verschiedenen Kursen aufgebaut wurde. Nach FIFO wird jeder Verkauf den ältesten noch gehaltenen Stücken zugeordnet. Der realisierte Gewinn ist dann der Verkaufskurs minus der Kaufkurs dieser ältesten Stücke.

Das Verfahren zählt, weil es die Höhe jedes realisierten Gewinns und damit die Steuer eines Jahres verändert. Das deutsche Steuerrecht schreibt FIFO für Wertpapiere im Depot vor.

Wie es funktioniert

Die Käufe bilden eine Warteschlange, die ältesten vorn. Ein Verkauf von qq Stück entnimmt vom Anfang der Schlange, bis qq erreicht ist, gegebenenfalls über mehrere Käufe hinweg:

Realisierter Gewinn=q×PVerkaufgenutzte Tranchenqk×PkKosten\text{Realisierter Gewinn} = q \times P_{\text{Verkauf}} - \sum_{\text{genutzte Tranchen}} q_k \times P_k - \text{Kosten}

Dabei ist qkq_k die aus der Kauftranche kk entnommene Stückzahl und PkP_k ihr Kaufkurs.

Ein einfaches Beispiel

Eine Position wurde in drei Käufen aufgebaut:

KaufStückKurs
1 (ältester)5040 €
23050 €
3 (neuester)2035 €

Anschließend werden 70 Stück zu 60 € verkauft. Nach FIFO stammen sie aus allen 50 Stücken des ersten Kaufs und 20 Stücken des zweiten:

Realisierter Gewinn=70×60(50×40+20×50)=4,2003,000=1,200\text{Realisierter Gewinn} = 70 \times 60 - (50 \times 40 + 20 \times 50) = 4{,}200 - 3{,}000 = 1{,}200

Die verbleibenden 30 Stück sind 10 aus Kauf 2 zu 50 € und 20 aus Kauf 3 zu 35 €.

Nach der Durchschnittsmethode trägt jedes Stück den Durchschnittskurs von 42 €, und der realisierte Gewinn wäre:

Realisierter Gewinn=70×(6042)=1,260\text{Realisierter Gewinn} = 70 \times (60 - 42) = 1{,}260

Warum das zählt

  • Steuern. In stetig steigenden Märkten sind die ältesten Stücke meist die günstigsten, FIFO realisiert Gewinne also tendenziell früher und höher. Im Beispiel ist es umgekehrt, weil die ältesten Stücke nicht die günstigsten waren.
  • Ausgewiesene Wertentwicklung. Die Aufteilung des Gewinns einer Position in realisiert und unrealisiert hängt vom Verfahren ab, die Summe nicht.
  • Vergleichbarkeit. Steuerbescheinigung des Brokers und Depot-Tool lassen sich nur vergleichen, wenn beide dasselbe Verfahren nutzen.

Worauf zu achten ist

  • FIFO gilt meist je Depot. Stücke desselben Wertpapiers bei zwei Brokern bilden zwei getrennte Warteschlangen.
  • Überträge müssen die Kaufhistorie mitnehmen. Ohne die ursprünglichen Daten und Kurse lässt sich die Schlange nicht korrekt rekonstruieren.
  • Der Gesamtgewinn ist bei jedem Verfahren gleich; nur sein zeitlicher Anfall unterscheidet sich.

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