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Was ist die Erholungsdauer nach einem Drawdown?

Die Erholungsdauer ist die Zeit, die eine Anlage nach einem Rückgang braucht, um ihren früheren Höchststand wieder zu erreichen. Zusammen mit der Tiefe des Rückgangs beschreibt sie die vollen Kosten einer Krise: nicht nur, wie viel verloren ging, sondern wie lange das Geld unter seinem früheren Stand blieb.

Ein Drawdown hat drei Abschnitte:

  • den Rückgang, vom Höchststand bis zum Tief,
  • die Erholung, vom Tief zurück zum alten Höchststand,
  • die Unterwasserphase, die gesamte Zeit vom Höchststand bis zu seinem Wiedererreichen.

Wie lange eine Erholung dauert

Verluste und Gewinne sind nicht symmetrisch. Nach einem Rückgang um dd ist der zur Rückkehr nötige Gewinn:

g=11d1g = \frac{1}{1 - d} - 1

Bei einer durchschnittlichen Jahresrendite rr dauert dieser Gewinn ungefähr

Tln(1+g)ln(1+r)=ln(1d)ln(1+r)T \approx \frac{\ln(1 + g)}{\ln(1 + r)} = \frac{-\ln(1 - d)}{\ln(1 + r)}

Jahre, gerechnet ab dem Tief.

Ein einfaches Beispiel

Ein Depot fällt um 40% und wächst danach mit 7% pro Jahr:

g=10,6166,7%Tln(1,667)ln(1,07)7,5 Jahreg = \frac{1}{0{,}6} - 1 \approx 66{,}7\% \qquad T \approx \frac{\ln(1{,}667)}{\ln(1{,}07)} \approx 7{,}5 \text{ Jahre}

Ein Rückgang um 20% erfordert bei gleicher Rendite ein Plus von 25%, also etwa 3,3 Jahre. Die Erholungsdauer wächst also weit schneller als die Tiefe des Rückgangs.

Die zeitgewichtete Rendite des Beispielportfolios, mit ihrem tiefsten Rückgang markiert: −24,7%, von Dezember 2024 bis April 2025. Das sind die Zahlen dieses Portfolios, nicht Ihre.

Was die Geschichte zeigt

Die Erholungsdauern gingen weit auseinander:

  • Nach dem Crash Anfang 2020 standen globale Aktienmärkte schon nach Monaten wieder auf ihren Höchstständen.
  • Nach der Finanzkrise 2008 brauchten Weltaktienindizes in Euro rund fünf Jahre bis zum Stand von 2007.
  • Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 brauchte der technologielastige Nasdaq etwa fünfzehn Jahre.
  • Der japanische Aktienmarkt benötigte mehr als drei Jahrzehnte, um seinen Höchststand von 1989 zurückzuerobern.

Dividenden verkürzen Erholungen: Als Gesamtrendite gerechnet, mit wieder angelegten Ausschüttungen, erholten sich die meisten Indizes spürbar schneller, als ihre Kurscharts vermuten lassen. Sparpläne verkürzen sie für den Anleger zusätzlich, weil die nahe am Tief gekauften Anteile zuerst wieder im Plus sind.

Wie man sie liest

  • Tiefe und Dauer gehören zusammen. Ein Drawdown von 20% über fünf Jahre kann schwerer auszuhalten sein als einer von 35%, der binnen eines Jahres aufgeholt ist.
  • Streuung verkürzt Erholungen. Die längsten Erholungsphasen der Geschichte gehören einzelnen Ländern und Sektoren; breit gestreute globale Depots waren schneller zurück.
  • Der Horizont entscheidet. Wer sein Geld in wenigen Jahren braucht, kann sich auf eine rechtzeitige Erholung nicht verlassen — deshalb gehört solches Geld meist nicht in Aktien.

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