Was ist der maximale Drawdown?
Der maximale Drawdown ist der größte prozentuale Rückgang einer Anlage von einem Höchststand zu einem späteren Tief, bevor ein neuer Höchststand erreicht wird. Er beantwortet eine sehr konkrete Frage: Welchen Verlust hätte ein Anleger erlitten, der zum ungünstigsten Zeitpunkt gekauft und zum ungünstigsten Zeitpunkt danach verkauft hätte?
Die Formel
Zu jedem Zeitpunkt ist der Drawdown der Abstand zum höchsten bis dahin erreichten Wert:
Der maximale Drawdown ist der tiefste dieser Werte über den gesamten Zeitraum:
Er ist null oder negativ und wird häufig als positive Prozentzahl angegeben: "ein maximaler Drawdown von 34%".
Ein einfaches Beispiel
Der Wert eines Depots entwickelt sich so: 10.000 €, 12.000 €, 9.000 €, 11.000 €, 8.400 €, 13.000 €.
Der höchste Wert vor den Tiefs ist 12.000 €. Das erste Tief bei 9.000 € entspricht einem Drawdown von 25%. Das Depot erholt sich auf 11.000 €, erreicht den alten Höchststand aber nicht, und fällt dann auf 8.400 €:
Gemessen wird von 12.000 € aus, nicht von 11.000 €, weil 11.000 € nie ein neuer Höchststand war.
Warum er zählt
- So fühlen sich Verluste an. Kaum ein Anleger erlebt "Volatilität"; jeder erlebt, wie das Depot 30% unter seinem Höchststand steht. Ob man den schlimmsten historischen Drawdown ausgehalten hätte, ist ein besserer Test der eigenen Risikotoleranz als jede Statistik.
- Die Erholung ist asymmetrisch. Nach einem Rückgang der Größ ist der nötige Gewinn zur Rückkehr:
Ein Drawdown von 30% erfordert ein Plus von 43%, einer von 50% ein Plus von 100%.
Typische Größenordnungen
Breite globale Aktienmärkte sind in den schwersten Krisen der vergangenen Jahrzehnte — nach 2000 und 2008/2009 — um rund 50 bis 60% gefallen, im kurzen Crash Anfang 2020 um etwa ein Drittel. Gemischte Depots mit hohem Anteil sicherer Anleihen verloren meist deutlich weniger — 2022 fielen Aktien und Anleihen allerdings gemeinsam, und viele gemischte Depots hatten ihr schlechtestes Jahr seit Jahrzehnten.
Grenzen
- Er hängt vom Zeitraum ab. Ein über fünf ruhige Jahre gemessener maximaler Drawdown sagt wenig darüber aus, was eine echte Krise anrichten kann.
- Er ist ein einzelnes Ereignis. Über die Häufigkeit kleinerer Rückgänge und deren Dauer sagt er nichts; das zeigt die Erholungsdauer.
- Er ergänzt die Volatilität. Zwei Depots mit gleicher Volatilität und Rendite können sehr unterschiedliche Drawdowns haben — und umgekehrt.
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