Was ist die Sharpe Ratio?
Die Sharpe Ratio misst, wie viel Rendite eine Anlage für jede Einheit eingegangenen Risikos geliefert hat. Sie vergleicht die Rendite über dem risikofreien Zins — den zusätzlichen Lohn dafür, überhaupt zu investieren — mit der dafür nötigen Volatilität. Zwei Depots mit gleicher Rendite sind nicht gleich gut, wenn eines dafür doppelt so stark schwankt; die Sharpe Ratio drückt diesen Unterschied in einer Zahl aus.
Eingeführt wurde sie 1966 vom Ökonomen William F. Sharpe. Sie ist die meistgenutzte Kennzahl für risikoadjustierte Rendite.
Die Formel
Dabei sind
- die annualisierte Rendite des Depots,
- der risikofreie Zins im selben Zeitraum, etwa kurzlaufende Staatsanleihen oder Geldmarktsätze,
- die annualisierte Volatilität der Depotrenditen.
Ein einfaches Beispiel
| Depot A | Depot B | |
|---|---|---|
| Rendite p.a. | 9% | 7% |
| Volatilität | 20% | 10% |
| Risikofreier Zins | 2% | 2% |
Depot A hat mehr verdient, Depot B aber mehr je Einheit Risiko. Auf dieselbe Volatilität von 20% hochskaliert hätte das Chance-Risiko-Verhältnis von B 12% ergeben — drei Punkte mehr als A.
Wie man sie liest
- Unter null: Das Depot hat weniger verdient als der risikofreie Zins; das Risiko wurde gar nicht belohnt.
- Etwa 0,3 bis 0,5: typisch für breite Aktienmärkte über lange Zeiträume.
- Über 1: hervorragend, wenn über viele Jahre gehalten. Bei reinen Kaufdepots selten, und ein Anlass zu prüfen, ob der Messzeitraum kurz oder ungewöhnlich günstig war.
Am aussagekräftigsten ist die Sharpe Ratio beim Vergleich von Depots oder Fonds über denselben Zeitraum, weil das Marktumfeld alle gleichermaßen beeinflusst. Ein Wert von 1,5 aus einem einzigen starken Jahr sagt wenig.
Grenzen
- Auf- und Abwärtsschwankungen zählen gleich. Ein Depot, das gelegentlich nach oben springt, wird bestraft, als wäre es gefallen. Die Sortino Ratio korrigiert das.
- Volatilität gilt als das ganze Risiko. Strategien mit seltenen, aber schweren Verlusten — etwa der Verkauf von Optionen — zeigen bis zum Crash eine hohe Sharpe Ratio.
- Sie hängt vom risikofreien Zins ab. Wenn sich die Zinsen stark ändern, wie 2022, sind Sharpe Ratios aus verschiedenen Zeiträumen nicht vergleichbar.
- Kurze Zeiträume täuschen. Aus ein bis zwei Jahren geschätzte Renditen und Volatilitäten schwanken stark, und die Kennzahl kann von Jahr zu Jahr deutlich springen.
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