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Was ist Factor Investing?

Factor Investing bedeutet, ein Depot um Merkmale von Aktien herum aufzubauen, die Renditeunterschiede historisch erklärt haben — sogenannte Faktoren — statt schlicht den Markt nach Größe zu halten. Die bekanntesten Faktoren sind:

  • Value: Aktien, die gemessen an Gewinn, Buchwert oder Cashflow günstig sind.
  • Momentum: Aktien, die in den vergangenen Monaten stärker gestiegen sind als andere.
  • Qualität: Unternehmen mit hoher Profitabilität, stabilen Gewinnen und wenig Schulden.
  • Größe: kleinere Unternehmen.
  • Geringe Volatilität: Aktien, die weniger schwanken als der Markt.

Faktor-ETFs, oft als "Smart Beta" vermarktet, neigen ihre Bestände einem oder mehreren dieser Merkmale zu.

Die Idee dahinter

Die akademische Forschung, am einflussreichsten von Eugene Fama und Kenneth French Anfang der 1990er Jahre, fand, dass wenige Faktoren einen großen Teil der Renditeunterschiede zwischen Aktiendepots erklären. Die Rendite eines Depots über dem risikofreien Zins lässt sich zerlegen als:

RpRf=α+βMarkt(RmRf)+βGro¨ßeSMB+βValueHML+εR_p - R_f = \alpha + \beta_{\text{Markt}} (R_m - R_f) + \beta_{\text{Größe}} \, \text{SMB} + \beta_{\text{Value}} \, \text{HML} + \varepsilon

Dabei ist RmRfR_m - R_f die Marktrendite über dem risikofreien Zins, SMB ("small minus big") die Mehrrendite kleiner gegenüber großen Unternehmen, HML ("high minus low") die Mehrrendite günstiger gegenüber teuren Aktien, und jedes β\beta die Sensitivität des Depots gegenüber diesem Faktor. Spätere Modelle ergänzten Profitabilität, Investitionsverhalten und Momentum.

Ein einfaches Beispiel

In einem Zeitraum, in dem der Markt 8% über dem risikofreien Zins bringt, günstige Aktien teure um 3 Punkte schlagen und die Größe nichts beiträgt, wäre für ein Depot mit einem Markt-Beta von 1,0 und einer Value-Sensitivität von 0,5 zu erwarten:

1,0×8%+0,5×3%=9,5%1{,}0 \times 8\% + 0{,}5 \times 3\% = 9{,}5\%

über dem risikofreien Zins — davon 1,5 Punkte aus der Value-Neigung. In einem Zeitraum, in dem Value-Aktien drei Punkte zurückbleiben, kostet dieselbe Neigung 1,5 Punkte.

Warum Faktoren zahlen könnten

  • Risiko: Günstige und kleine Unternehmen sind in schlechten Zeiten womöglich anfälliger, und Anleger verlangen dafür eine Entschädigung.
  • Verhalten: Anleger über- und unterreagieren auf Nachrichten, woraus Muster wie Momentum entstehen.

Worauf zu achten ist

  • Lange Durststrecken. Faktoren können ein Jahrzehnt und länger zurückbleiben; Value blieb über weite Teile der 2010er Jahre hinter Wachstumsaktien.
  • Überfüllung und Kosten. Ist ein Muster bekannt und wird breit gehandelt, kann ein Teil davon verschwinden; Faktor-ETFs kosten zudem mehr als schlichte Indexfonds.
  • Kombinieren hilft. Verschiedene Faktoren wirken zu verschiedenen Zeiten, Multi-Faktor-Fonds verteilen die Wette.
  • Es bleibt eine aktive Entscheidung. Eine Faktorneigung weicht bewusst vom Markt ab, mit dem entsprechenden Tracking Error.

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