Was ist der Unterschied zwischen realisierten und unrealisierten Gewinnen?
Ein unrealisierter Gewinn (oder Verlust) ist die Wertveränderung einer Anlage, die noch gehalten wird. Er besteht nur auf dem Papier und bewegt sich weiter mit dem Kurs. Ein realisierter Gewinn ist der Gewinn oder Verlust, der beim Verkauf festgeschrieben wird — ganz oder teilweise. Ab diesem Moment ändert er sich nicht mehr.
Beide werden an den Anschaffungskosten gemessen: dem, was für die Anlage gezahlt wurde, einschließlich der Kaufkosten.
Die Formeln
Für eine noch gehaltene Position:
Für verkaufte Stücke:
Dabei sind
- die noch gehaltene Stückzahl und die verkaufte,
- der aktuelle Kurs und der Verkaufskurs,
- der durchschnittliche Kaufkurs je Stück inklusive Kaufgebühren,
- die Kosten des Verkaufs.
Ein einfaches Beispiel
100 Aktien werden zu je 50 € gekauft, zuzüglich 10 € Gebühren: Die Anschaffungskosten betragen 5.010 €, also 50,10 € je Aktie. Der Kurs steigt auf 70 €, und 40 Aktien werden mit weiteren 10 € Gebühren verkauft.
Zusammen ergeben sie den bisherigen Gewinn der Position: 1.980 €. Fällt der Kurs morgen wieder auf 50 €, bleiben die 786 € bestehen; die 1.194 € verschwinden.
Warum der Unterschied zählt
- Steuern. In den meisten Ländern wird die Steuer auf Kursgewinne fällig, wenn der Gewinn realisiert wird, nicht solange er auf dem Papier steht.
- Risiko. Ein unrealisierter Gewinn kann schrumpfen oder zum Verlust werden. Ihn zu realisieren beseitigt dieses Risiko für den verkauften Teil — und zugleich die Chance auf weitere Gewinne.
- Ehrliche Wertentwicklung. Die Gesamtrendite eines Depots enthält beide Arten von Gewinn. Wer nur auf realisierte Gewinne schaut, schmeichelt sich, wenn er Gewinner verkauft und Verlierer behält — ein Muster, das als Dispositionseffekt bekannt ist.
Welcher Kauf einem Verkauf zugeordnet wird
Wurden Stücke zu verschiedenen Kursen gekauft, hängt der realisierte Gewinn davon ab, welchen Käufen ein Verkauf zugerechnet wird. Zwei Verfahren sind üblich:
- Durchschnittskosten: Jedes Stück trägt den durchschnittlichen Kaufkurs der Position, wie im Beispiel oben.
- FIFO (first in, first out): Jeder Verkauf wird den ältesten noch gehaltenen Stücken zugerechnet. Das deutsche Steuerrecht sieht FIFO für Wertpapiere im Depot vor.
Über die Lebensdauer einer Position ergeben beide Verfahren denselben Gesamtgewinn; sie verteilen ihn nur anders auf realisiert und unrealisiert — und damit auf die Steuerjahre.
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